Sehr geehrter Herr Minister Habeck,
Anlass meines Schreibens ist Ihr Titelbeitrag im Spiegel Nr. 26 vom 25.06.2022 zum hydraulischen Abgleich auf Seite 20.
Ihre Aussage „Und auch wenn es banal klingt:Es ist sinnvoll, jetzt im Sommer einen hydraulischen Abgleich zu machen, damit die Wärme besser verteilt wird-das spart rund 25% Energie und Kosten“.
Für den Neubaubereich ist das richtig, jedoch liegt das viel größere Einsparpotential in der Sanierung.
In diesem Bereich sprechen wir von 40 bis 50%, je nach Gebäude.
Eine Reduzierung der Energie durch einen hydraulischen Abgleich bedeutet auch eine erhebliche Reduzierung von CO2 Emissionen.
Mit dem Begriff „hydraulischer Abgleich“ kann ich mich leider nicht anfreunden.
Dieser sollte durch „hydraulisch, dynamischer Abgleich ersetzt werden.
Denn nur durch den dynamischen Abgleich, kombiniert mit der Optimierung der Umwälzpumpe, kann die vorher berechnete Wassermengenverteilung in einer Heizungsanlage optimal erfolgen.
Diese dynamischen Ventile zur Begrenzung des Volumenstromes und des Differenzdruckes gibt es bereits seit Anfang der 80 Jahre.
Erstmalig wurde in Deutschland mit der DIN 18380, Ausgabe Juli1990, unter 3.1.1. und 3.5.1. die ausreichende Wassermengenverteilung gefordert. Unter 3.5.6 unterliegt der hydraulische Abgleich einer Funktionsprüfung der Gesamtanlage.
In der EnEV 2002, die nun auch rechtsverbindlich war, hatte man den hydraulischen Abgleich vergessen mit aufzunehmen. Dieses wurde in der Novellierung der EnEV 2004 allerdings nachgeholt.
In über 30 Jahren und als Referent von über 500 Veranstaltungen vor Heizungsfachbetrieben und planenden Ingenieurbüros habe ich den Eindruck gewonnen, dass dieses, für uns alle so wichtige Thema einer weiteren Auffrischung bedarf.
Eine Reduzierung der Energie und CO2 Emissionswerte kann nur gelingen, wenn dieses Thema der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Wenn es gelingt, die Zusammenhänge, die für einen hydraulisch, dynamischen Abgleich erforderlich sind, den 41 Mill. Haushaltungen (welche Dimension) nahezubringen,Der Unterschied zwischen einem hydraulischen Abgleich (statisch) und einem hydraulisch, dynamischen Abgleich kann in wenigen Sätzen den Betreibern/Hauhalten nahegebracht werden. Wenn diese es verstanden haben, werden auch die richtigen dynamischen Ventile zur Wassermengenverteilung eingebaut. Für eine optimale Wassermengenverteilung sind somit folgende Komponenten verantwortlich:
1. Hydraulisch, dynamischer Abgleich
2. Optimierung der Umwälzpumpe
3. Richtige Voreinstellung des Ausdehnungsgefäßes
So ist ein großer Schritt, auch für zukünftige Generationen, getan.
Neben der aufklärenden Information könnte eine App entwickelt werden (falls es die noch nicht gibt), die unter Einhaltung der jeweiligen Mindestanforderungen (EnEV usw.) den Volumenstrom für jeden Raum ermittelt und gleichzeitig die Dimension für den Einbau ermittelt. Für bestehende Zweirohr-Heizungsanlagen kann für einen variablen Volumenstrom (öffnen und schließen der Thermostatventile) das dynamische Ventil ermittelt werden.
Würde mich freuen, wenn durch den Zwang zum Sparen eine gewisse Eigendynamik, verbunden mit Eigenverantwortung, bei den 41 Mill. Haushaltungen ausgelöst werden würde.
Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg und freue mich, dass, wie ich hoffe, mit dem Spiegel Artikel die Bedeutung des hydraulisch, dynamischen Abgleiches das hohe Einsparpotential von Energie und CO2 Emissionen von den Betreibern und Haushaltungen mehr beachtet wird.
Mit freundlichen Grüßen
Ludwig Soltysik
Spiegel Redakteure: Markus Feldenkirchen und Gerald Traufetter